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| Stories › Das Fotoshooting aus der Sicht des Fotografen |
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...oder die Qualen und Freuden des Künstlers.
Freitag, 14. März 2003 von Sascha C. Abraham
Es ist so schön warm. Warum ist das so laut hier? Mein Handywecker reißt mich um 7 Uhr morgens aus dem Schlaf. Es ist Freitag, ich bin seit einer Woche in Berlin, und um dennoch schließlich gelassen ins Wochenende zu gehen, ist es doch noch viel zu früh, erst tue ich mir liebend gerne diesen Tag voller Fotospaß an. Was tut man nicht alles für die lieben Freunde.
Ein bisschen mehr Blut als sonst steigt mir in Kopf, glücklicherweise kann ich wenigstens in Ruhe frühstücken, während die Crew durch Berlin kurvt, um mich abzuholen. Mal sehen, wer zuerst fertig ist, ich oder die. Lieber keinen Kaffee, wer weiß, wo da das nächste Klo ist. 10 Minuten später sitze ich auf der Rückbank von Julias Corsa, das halbe Brötchen vibriert mir im Magen, im Kofferraum klappert die Fotokiste, die ich eine Woche zuvor gepackt habe, alles fein säuberlich dokumentiert, wo was liegt. Markus erzählt, dass Francois ausnahmsweise pünktlich, aber ohne Hemd angetreten ist. Ich hoffe, dass der Große schnell zu Fuß ist und sende ein kleines Stoßgebet gen Autohimmel. Denn auch Markus Gesicht braucht heute mehr als Schminke. Notfalls hab ich ja noch Michi, die Milchkanne. (siehe oben rechts)
Nächster Halt Kreuzberg, leider ist der Hädler auch nicht mehr da, wo er mal war, und so bekommen wir eine unfreiwillige Lektion in "Berlin ist eine schöne Stadt!" Und vor allem groß. Und voll. Vorne hört man es leise fluchen, wir sind bereits eine dreiviertel Stunde zu spät. Ich heuchle noch ein wenig Mitleid für die anderen, ja ja, sooo früh aufstehen und sooo kaltes Berlin. Zuhause blüht schon der Frühling, nur hilft mir das hier nix. Die anderen im Vorbeifahren abgeholt und ab zur Malche in Tegel.
Außenaufnahmen, ich liebe es. Mir macht das Licht zu schaffen, mal scheint die Sonne, mal wird’s plötzlich finster. Ich behelfe mir mit einem Aufhellblitz, scheuche Francois und Markus über Spielplätze, Bäume hinauf und ans Wasser und lach mir eins. Die Sache beginnt, Spaß zu machen. Ich bin die Sonne, und alle kreisen um mich. Als Dienstkleidung tragen die beiden Künstler knallbunte Hawaiihemden, wenigstens werden die Dias nicht ganz bleich und unscheinbar, denke ich bei mir und friere.
Irgendwann hab ich keine Lust mehr, überzeuge die anderen von der Sinnlosigkeit eines weiteren Aufenthaltes an der frischen Luft. Wir gehen zu den Autos, fahren los, im Break wartet man auf uns. Da stehe ich nun, umgeben von Stativen, Kameras, Filmen und Michi, ernte ungläubige Blicke und frag mich, worauf ich mich da eingelassen habe.
Obwohl es erst früher Nachmittag ist, sind schon einige Gäste da, die offenbar viel Tagesfreizeit und wenig eigenes Leben haben. Ich lasse die Stars posieren, gehe vor und zurück, richte das Licht, blitze die beiden an. So geht das eine Weile hin und her, und während die Band Farben und Lichter sieht und ich uns schon notgedrungen in einer neuen Stammbillardkneipe, verewige ich auch ein paar mal die Bedienung auf den Bildern, süß sieht sie aus und ich frage mich, ob wir wohl Abzüge gegen Freispiele oder ähnliches tauschen können.
Da plötzlich setzt der Handblitz aus, mir schwant Böses. Ein kleiner Alptraum wird wahr. Technischer Ausfall, Blitzkontakt wackelt. Markus macht auf lustig: Er holt die Zange raus, schließt den Kontakt kurz, als er ihn bearbeitet, es blitzt ihm ins Gesicht, er schreit, dass ich aufhören soll, macht weiter und wieder blitzt es. Ich steh amüsiert daneben und studiere seine Lernkurve, das geht noch ein paar mal so, bis er dahinterkommt. Glücklicherweise habe ich Ersatz für die Kamera, und Stars sind es ja gewohnt, belästigt zu werden. Kurz darauf sieht man mich mit dem zweiäugigen Monster und der Blitzkanone vor Markus und Francois umherschleichen. Das werden dann auch die besten Bilder des Tages. Trotzdem machen wir dann bald Schluss, ehe es zu voll wird. Aus der Budenzauber.
Fazit: Ich bin ziemlich stolz auf unser Team und das, was wir an dem Tag geschafft haben. Alle haben sehr gute Arbeit geleistet. Die Stimmung war toll, die Ergebnisse auch. Und Spesen waren ja schließlich auch drin.

Siehe auch: Logbuch vom Fotoshooting
Mehr Bilder zur Story: Bilder vom Fotoshooting 2003
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